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| Unsere Welt 2.0 |
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Im Land der Ureinwohner Eingeborene sind die Ureinwohner eines Landes. Diejenigen, vor denen niemand war; zumindest niemand, der uns bekannt ist. Meistens erging es ihnen schlecht, wenn Einwanderer kamen. Die Einwanderer hatten nämlich etwas, was sie nicht hatten: Technologie, meistens eingesetzt in der Ausformung von Waffen. Wenn die Eingeborenen nicht innerhalb kürzester Zeit ausgerottet waren, wurden ihnen Reservate zugewiesen, in denen sie ein kümmerliches Leben führen durften nach den einschränkenden Vorgaben ihrer neuen Herrscher. Verkehrte Welt in der Welt 2.0: Hier „herrschen“ die Eingeborenen, ihr Land ist die gesamte Erde. Und die Einwanderer befinden sich plötzlich in Reservaten, die allerdings nicht lokal zu bestimmen sind, sondern allein nach der absteigenden Reihe der Geburtsjahrgänge. Oft merken sie gar nicht, dass sie solche Reservatsbewohner sind. Doch auch das ist nur eine Frage der Zeit. Die neue Kultur ist schon dominant und sie wird sehr schnell in ihren Wirkungen für die Wahrnehmung aller dominant werden. Dem kann sich keiner verschließen. von Ursula Hellert Drastische Vergleiche muss man wählen, um das Ausmaß an Veränderung deutlich zu machen, das uns die „Digitale Welt 2.0“ beschert hat. Tatsächlich ist die Perfektform angebracht, denn die Veränderungen werden nicht erst geschehen, sie sind es schon. Auch wenn alle Folgen noch lange nicht mit dem bloßen Auge erkennbar sind. Vielleicht würde der Leser den Vergleich mit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert erwarten. Der aber wird nicht herangezogen. Vielleicht wäre er treffend, vielleicht aber erzeugt er noch zu nahe liegende Assoziationen. Nämlich die, dass etwas schon Vorhandenes durch diese Erfindung zur Massenware und all-verfügbar wurde. Und das war’s. Aber das war’s eben nicht, nicht bei der Erfindung des Buchdrucks und erst recht nicht bei der Entwicklung des web2.0. Deshalb ein anderer Vergleich. Dass uns Energie immer zur Verfügung steht, hat unsere Welt nicht irgendwie verändert, sondern unsere Kultur ist substantiell dadurch bestimmt. Unsere Tätigkeiten beispielsweise bestimmen sich nicht nach der Helligkeit draußen, sondern nach völlig anderen sozusagen inner-gesellschaftlichen oder inner-kulturellen Kriterien. Unsere Mobilität hängt direkt mit der Energieressource zusammen. Und doch muss man vielleicht sogar einen noch radikaleren Vergleich wählen. Als der Mensch das Feuer zu bändigen lernte, wurde die Welt eine andere. Unsere gesamte weltweite Entwicklung hängt mit diesem Schritt zusammen. Auf der ganzen Welt wurde Menschsein möglich im Sinne der Steuerung des eigenen Lebens oder der eigenen Lebensressourcen. Und damit konnte die Erde menschlich besiedelt werden. Diese Vergleiche zeigen auch, dass es überhaupt nicht darum geht, die Veränderung „gut oder schlecht zu finden“. Sie muss erst einmal wahrgenommen werden. Dass jede epochale Veränderung Risiken und aktuelle Gefahren für die alte Gesellschaft erzeugt, liegt auf der Hand. Dass sie aber auch positiv entwickelnd das Gesicht der Erde verändert, zeigt sich erst später, oder sogar erst der nächsten oder übernächsten Generation. Aber die gewählten Vergleiche sprechen da für sich selbst. Die Eingeborenen, die im Mittelpunkt dieser Betrachtungen stehen, sind die sogenannten Digital Natives (für den Begriff digital native vgl. http://www.marcprensky.com/ ). Das Jahr 1980 markiert den Unterschied von drinnen oder draußen, also Native oder Immigrant in der digitalen Welt. Ob das Jahr nun trennscharf ist, mag diskutiert werden. Sicher aber ist, dass die Generationen mit Geburtsdatum nach 1980 die ersten sind, die sich von Anfang an in einer Welt bewegt haben, die digital war und ist. Das WWW (World Wide Web) startete seinen Siegeszug 1991. Dann dauerte es nur noch einige Jahre, bis auch für den Normalverbraucher Browser zur Verfügung standen. Social Networks verbreiten sich epidemisch seit der Jahrtausendwende. Und junge Menschen mit Internet fähigem Mobiltelefon in der Hand sehen wir täglich massenhaft. Aber in einem Zug oder auch in einem Restaurant – so mögen Sie einwenden -, sind ebenso viele Menschen über dreißig mit Handy zu sehen. Und doch gibt es – im Regelfall – einen gravierenden Unterschied. Wir Älteren lieben das Handy als wunderbares mobiles Telefon mit zunehmend weiteren Funktionen. Aber das Handy ist nicht unsere soziale Kommunikation. Wer in den 60ern und 70ern jugendlich war, musste seine Freunde real treffen, um mit ihnen zu kommunizieren. Oder Briefe schreiben, aber das war eher die Variante der Erwachsenen. Man wusste allerdings genau, wo wer wann zu treffen ist. Die sozialen Plätze waren bekannt. Die Autorin war in den 70ern Studentin. Ihre Eltern konnten sie kurzfristig gar nicht erreichen, denn selbstverständlich gab es kein Telefon in den Studentenbuden. Aber auch sie konnte ihre Eltern nicht erreichen, denn auch in deren Haushalt in einem kleinen Dorf hinter dem Wald war noch kein Telefon eingezogen. Aber die Schwestern waren schon an ihrem Arbeitsplatz im Notfall telefonisch erreichbar. Zugegeben war die gute Seite dieser Situation, dass mit der Nicht-Erreichbarkeit auch die permanente soziale Kontrolle entfiel. Wer in den 80ern und danach Teeny war, konnte sich nach der Schule sofort ans Telefon hängen und mit seinen Freundinnen weiterreden (das war wohl stärker eine soziale Kommunikation von Mädchen im Sinne der Verlängerung von „gehst du mit aufs Klo?“). Manche Leser und vor allem Leserinnen werden sich noch erinnern, dass dieses seuchenhafte Telefonieren einer der beständigen Konfliktpunkte zwischen Eltern und jugendlichen Kindern war. Nicht nur war dadurch das eine – aber inzwischen selbstverständliche - Telefon der Familie blockiert; sogar die Dauer der Gespräche spielte eine Rolle, denn schließlich wurden die Einheiten für die Höhe der Telefonrechnung gezählt. Aus dem einen Telefon wurde zunächst eines mit Verlängerungsschnur, so dass jeder in seinem Zimmer telefonieren konnte. Und dann kamen die Apparate mit Basisstation und mehreren angeschlossenen tragbaren Geräten. Und jetzt das Handy. Aus dem Fenster des Büros kann die Autorin täglich beobachten, wie die meisten Schüler und Schülerinnen sofort nach Verlassen des Schulgeländes (innerhalb ist Handy-Gebrauch nicht erlaubt) ihr mobiles Telefon zücken und telefonieren. Aber telefonieren sie? Oder schicken sie eine SMS? Oder hören sie Musik, googeln oder lesen sie ihre Mails? Eine Nebenbemerkung. Welche Bedeutung mediale Präsenz für die Jugendlichen hat, mussten Autohersteller lernen. Das Auto steht nämlich nicht mehr wie immer in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts auf Platz 1 der Liste derjenigen Besitztümer, die Jugendliche am heißesten begehren. Kenner machen dafür vor allem verantwortlich, dass die großen Hersteller es lange Zeit verpasst haben, das Auto und die digitale Gegenwart rechtzeitig miteinander zu verbinden. Viele Autos funktionieren zum Beispiel noch mit CD Player. Jugendliche hören ihre Musik aber mit dem iPod. Und den kann man nicht in jedem Auto so leicht anschließen, Bluetooth oder USB-Verbindung sind Voraussetzung. Ein unsinniges System in den Augen vieler Digital Natives. Das eine war also die Entwicklung der Telefone zu Handys, das andere die Revolution des WWW. Und das Dritte war die Kombination der mobilen Geräte mit dem World Wide Web. Jetzt hat jeder jederzeit mit jedem Kontakt; die reale Beziehung findet irgendwo im Netz statt, nicht mehr zwingend im physischen Leben. Gelebt wird online; real gelebt, auch wenn die Digital Immigrants eine andere Definition vom realen Leben haben als die nach 80er. Eine Unterscheidung von Online und Offline ist für Digital Natives völlig irrelevant. Nicht einmal veraltet, sondern einfach gegenstandslos. Was ist real, was ist wirklich? Die Wirklichkeit ist genauso medial greifbar, wie sie es physisch war und ist. „Was die Welt im Innersten zusammen hält“, muss noch einmal neu beantwortet werden. Für Eltern und Pädagogen gilt es anzuerkennen, dass sie Immigrants in der Welt ihrer Kinder und Schüler sind. Sie werden keine Digital Natives und müssen es nicht. Aber sie müssen die Welt ihrer Kinder und Schüler so weit kennen und sich in ihr auskennen, dass sie mit den Jugendlichen über diese Welt kommunizieren können. Zugewandte verantwortliche Erwachsene werden gebraucht, wie sie immer gebraucht wurden. Das setzt aber voraus, dass diese Erwachsenen sich für die reale Welt ihrer jugendlichen Kinder interessieren. Und diese Welt ist nicht auch digital, sie ist ganz und gar digital. Wie faszinierend und doch auch selbstverständlich für jeden jungen Menschen, die Welt mit ihren Informationen, Bildern und allen sozialen Kontakten 24 Stunden am Tag bei sich zu haben und in ihr zu agieren. Dafür stehen unzählige Möglichkeiten zur Verfügung, sich selbst auszuprobieren und die eigene Identität zu formen. Und dieses Thema ist ein Kernthema dieser Lebenszeit zwischen zehn und zwanzig. „In Identitätsbeschreibungen stecken zwei Grundbemühungen des Individuums, nämlich die Bemühung, sich selbst zu erkennen und das Bestreben, sich selbst zu gestalten, an sich zu arbeiten, sich zu formen. Damit sind Selbsterkenntnis und Selbstgestaltung die zwei Prozesse, die Identitätsentwicklung vorantreiben.“ (Oerter, Montada, Hrsg.: Entwicklungspsychologie. Weinheim, Basel, Berlin 2002, S. 292) Im Jugendlichenalter können sich Selbstbeschreibungen dramatisch ändern, abhängig davon, inwieweit der junge Mensch eher im Status von Krise oder stärker in einer durch Bindung (Verpflichtung) gekennzeichneten Phase lebt, beziehungsweise diese letztere gerade erkundet (Exploration). Insgesamt gilt, dass im Gegensatz zum Kindesalter im Stadium der Adoleszenz Realbild (wie man ist) und Idealbild (wie man sein möchte) genauer erkannt und vor allem genauer getrennt werden können. Erst Jugendliche lernen nach und nach, sich ebenso mit den Augen ande- rer zu sehen. Das ist für die bewusste Entwicklung ihrer sozialen Identität ein wichtiger Schritt. Identität ist das Ergebnis von Entwicklungsarbeit, eigene Entwicklungsarbeit im Spiegel und Einwirkungsradius der anderen, vor allem der Familie und der Peers. Wer will man sein? Sie kennen vermutlich den zum Slogan avancierten Buchtitel „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ Das Netz eröffnet den Digital Natives unbegrenzte Identitätsvielfalt durch die Erschaffung sogenannter Avatars. Avatar bedeutet ursprünglich die irdische Inkarnation einer Gottheit in Tier- oder Menschengestalt. „Second Life gehört zu den viel versprechendsten virtuellen Welten. Ist eine 16-Jährige erst einmal in diese Welt eingetaucht, kann sie ihre Avatars ganz frei erschaffen, wobei Gestaltung und Aussehen des Avatars oftmals ein wesentlicher Aspekt des „Daseins“ in dieser Welt sind. Second Life stellt Hilfsmittel zur Verfügung, die es den Usern ermöglichen, das Aussehen ihres Avatars bis ins Detail zu beeinflussen, von der Kleidung über die Hautfarbe bis hin zur Form der Nase.“ (Palfrey, Grasser 2008. 33) Der Avatar handelt im Netz in Netzwerken mit anderen Avatars. Jeder User kann ein solches Bild von sich erschaffen, oder zwei oder unendlich viele. So einfach ist es, viele zu sein. Aber so schwer ist es auch, das irgendwie wieder los zu werden, was man einmal von sich preisgegeben hat – real oder künstlich. Das Netz vergisst nicht. Niemals. Vermutlich würde schon heute jeder erschrecken, wenn er die Menge der gesammelten Daten zur eigenen Person einmal kompakt präsentiert bekäme. Das gilt für alle, Digital Native oder nicht. Viele Menschen sind sogar sorglos bezüglich der Frage der Öffentlichkeit, die ihre – überwiegend sogar selbst eingestellten – Daten erlangen. Jugendliche vielleicht noch mehr. Es geht um Privatsphäre, es geht um Sicherheit. Für Jugendliche ist es entscheidend, welche Positionen die für den Jugendlichen wichtigen Erwachsenen einnehmen. Für die meisten Jugendlichen sind dies die Eltern und die Lehrer. Sie können etwas dazu sagen und sie haben etwas dazu zu sagen. Damit sie aber gehört werden, darf die Kluft zwischen ihren Digital Natives und ihnen selbst nicht unüberwindbar groß sein. Wenn die Erwachsenen nicht wissen, was das web2.0 ist und welche Möglichkeiten ihre Digital Natives in diesem Netz haben, dann nützt ihre ganze Lebensklugheit nichts. Um die aber ginge es hier wie in vielen anderen Fragen. Es gibt also eine to do Liste für die Erwachsenen, die Erziehung so verstehen, dass sie eine Wirklichkeit mit ihren Kindern und Schülern teilen und teilen wollen. Die Teile müssen dabei nicht gleich sein, aber es müssen schon Teile einer Wirklichkeit sein. Es geht nicht darum, so gut zu sein wie die Kids. Das wäre für fast alle Erwachsenen auch ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Natürlich werden unsere Kinder und Jugendlichen uns Erwachsenen zeigen können und müssen, was so alles geht in der digitalen Welt. Wenn auf der Empfän- gerseite wirkliches Interesse steht, sind genau dadurch schon gute Voraussetzungen geschaffen für einen Austausch. Eltern und Lehrkräfte müssen Immigrants werden im Land der Digital Natives. Und sie müssen sozusagen den Sprachtest bestehen und das Grundwissen erwerben, um eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. An diesem Aufenthalt in der Welt des web2.0 geht kein Weg vorbei, wenn man es wirklich ernst meint mit der jungen Generation. Zugewandtheit, Orientierung und emotionale Heimat, trotz aller normalen Konflikte zwischen den Generationen brauchen die jungen Menschen ihre Erwachsenen genau dafür. Eltern und Lehrer dürfen diese Partizipation an der Welt der jugendlichen Kinder nicht aufgeben. Ansonsten riskieren sie, dass ihre Kinder sich so verloren und verlassen fühlen, wie einst James Dean in „Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Die Gefühle sind dieselben, damals wie heute, die Handlungsfläche ist eine ganz andere. Aber mit demselben Thema: „Interessieren sich meine Eltern, meine Lehrer, überhaupt für die Welt, in der ich lebe? Oder ist ihnen das ganz egal; bin ich ihnen ganz gleichgültig?“ Nehmen wir das einfache Beispiel des Kontaktes zu unbekannten Personen im Netz. Immer haben Eltern ihren Kindern Grundregeln von Vertrauen und gesundem Misstrauen vermittelt und Möglichkeiten, sich zu schützen und bei Gefahr Hilfe zu suchen. Dieselben Grundregeln funktionieren auch, wenn es um digitale Kontakte heute geht. Aber in einer anderen Umgebung und einer anderen Sprache. Diese andere Umgebung darf nicht zur Parallelwelt auswachsen, in der Kinder und Jugendliche losgelöst herumlaufen. Dass sie keine Parallelwelt wird, können die Erwachsenen stark beeinflussen – indem sie ihre Hausaufgaben machen. Facebook zu verbieten, wäre sicherlich keine Lösung. Überhaupt würden die Erwachsenen scheitern, wenn sie ihre Kinder dadurch schützen wollten, dass sie ihnen den Zugang zum Netz verbieten. Erstens fragt sich, wie das gehen sollte? Nicht einmal Diktaturen schaffen es, den Eingang und den Ausgang von Informationen in ihrem Herrschaftsraum zu kontrollieren. Unsere (Schul)Kinder brauchen nur einen Freund zu besuchen, in die Bibliothek zu gehen oder in der Schule all die zu treffen, die Internet fähige Handys haben. Ganz abgesehen davon, dass das mit viel Aufwand Verbotene für die jugendlichen Kinder gerade das Interessanteste sein muss, stellt sich auch die Frage, warum man den Zugang zum Netz verbieten sollte. In unserer Gesellschaft ist Netzzugang normaler Bestandteil unserer Alltagskultur geworden. Also stellt sich doch eher die Aufgabe, verantwortlich zu überlegen und zu planen, wie die jeweils nächste Generation in der Familie auch in die verantwortliche digitale Kommunikation hineinwächst. Cyberbullying ist dafür ein dramatisches Beispiel. Worum es geht, ist auch hier dasselbe, offline oder online. Es geht um Gewalt und ihre Ursachen und Muster. Sicher hat das Netz seine Besonderheiten, die Hemmschwelle beispielsweise mag (noch) niedriger sein als in einer aufgeheizten gruppendynamischen Pausensituation auf dem Schulhof. Aber im Grunde geht es um dieselben Fragen, um Empathiefähigkeit sowie um das Standing von Jugendlichen, auch in der digitalen Welt nicht mitmachen zu müssen, was doch alle tun. Auch zu diesen Themen müssen Eltern und Lehrer sich schlau machen. Die digitale Welt ist eine andere Welt. Aber die emotionalen Grundlagen menschlicher Beziehungen sind nach wie vor dieselben. Die Erwachsenen müssen sich mit ihrem Vorsprung an Lebenserfahrung in die Welt der Jugendlichen teilnehmend einmischen. Wer nur auf Kontrolle setzt, hat verloren. Denn Kontrolle wird Partizipation niemals ersetzen können. Gerade junge Menschen spüren ganz intensiv, ob die Erwachsenen Interesse haben oder nur Macht ausüben wollen. Dass Erwachsene es „doch gut meinen“, wird das Flüchten der jungen Menschen in eine andere als die Erwachsenen-Welt als Gegenreaktion nicht aufhalten. Wenn das alles so ist, wie es ist, dann müssen wir die Gruppe der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen durch die Kulturtechnik der medialen Kompetenz ergänzen. Kulturtechniken werden in der Schule gelernt. Also muss auch die mediale Kompetenz in der Schule von Kindesbeinen an erworben werden. Das hat Konsequenzen für Lehrer, Lehrstoff und Lehrmethoden, Eltern und last but not least: für die Schüler. Diese Forderung ist nicht zu verwechseln mit all denen, die als weitere neue Sau durchs Dorf – qua Schule – getrieben werden. Sondern gemeint ist, was gesagt wurde: Mediale Kompetenz ist eine Kulturtechnik. Nur wer diese beherrscht, kann zukünftig teilhaben an der Gesellschaft. Zwei Gräben durchziehen die Welt, der Graben der Armut und der Graben des Zugangs zum WWW. Dass beide miteinander zu tun haben, leuchtet unmittelbar ein. So wie Alphabetisierung der Schlüssel zur Überwindung von Armut ist, so ist auch mediale Kompetenz ein Schlüssel zu Gewinnung von Chancen. Sicher aber in genau der Reihenfolge, wobei Reihenfolge zukünftig nicht mehr als zeitliche verstanden werden darf. Lesenswert und wichtig: John Palfrey und Urs Grasser: Generation Internet. Die Digital Natives. Wie sie leben / Was sie denken / Wie sie arbeiten. Hanser München 2008 |
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