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| Schülerwettbewerbe |
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Ausgabe 1 - 2011 PRAXIS IN DER SCHULE WIE SCHÜLERWETTBEWERBE DEN UNTERNEHMERGEIST FÖRDERN Selten waren sich Schüler und Lehrer so einig: Erlebnisorientierter und praxisnaher Unterricht macht Spaß und bietet wertvolle Erfahrungen für das Berufsleben. Doch wie erreicht man dieses ehrgeizige Ziel? Wie ergänzt man den Unterricht mit wertvollen Praxisinhalten? Und wie infiziert man seine Schüler mit dem Wirtschaftsfieber? Planspiele setzen an diesem Punkt an und bieten die Möglichkeit Theorie mit Praxis zu verbinden – so auch promotion school, der Schülerwettbewerb für die Region Südostniedersachsen. Schülern die unternehmerische Selbstständigkeit als attraktive berufliche Alternative aufzeigen – dieses Ziel verfolgt der Wettbewerb promotion school seit 2004. Nach dem Motto „Unternehmer von Morgen gesucht“ vermittelt promotion school Kenntnisse der Wirtschaftswelt und fördert unternehmerische Eigenschaften und Talente. Nach dem Anfang als Wolfsburger Wettbewerb mit 17 eingereichten Geschäftsmodellen, entwickelte sich promotion school in den letzten Jahren zum größten Planspiel mit dem Schwerpunkt Unternehmensgründung in der Region Südostniedersachsen. 370 Teilnehmer aus 20 Schulen zählte der Wettbewerb in 2010. VON INGA RILL UND ANKE HUMMITZSCH Kreativität und wirtschaftliche Zusammenhänge im Mittelpunkt Blindenbrille mit Navigationssystem, Urinanalysator für öffentliche Toiletten, mobiles Erkennungssystem von Hautkrebs und essbare Yoghurtbecher - das ist nur ein Auszug von bislang rund 170 kreativen Geschäftsideen, die bei promotion school zur Prämierung eingereicht wurden. Bevor eine Idee reif ist, leiten Workshops schöpferische Prozesse ein und fördern kreatives Denken in ökonomischen Zusammenhängen. Unter der Leitung von Gründungsexperten der Wolfsburg AG erarbeiten die Teilnehmer systematisch ihre individuelle Geschäftsidee. Mit Unterstützung von Prof. Faltin, Leiter des Arbeitsbereichs Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin, erlernen die Schüler Prinzipien der Ideenkreation und wenden diese bei Ihrer Ideenkreation an. Günter Faltin, selbst ein erfolgreicher Unternehmer, fordert die Schüler auf, Konventionen zu hinterfragen und radikal neu zu denken. Die Auseinandersetzung mit aktuellen Wirtschaftstrends runden die Workshops ab. Ist die Kreativleistung vollbracht, erleben die Schüler typische Probleme und Herausforderungen eines jungen Unternehmers. Es stellen sich Fragen nach der Zielgruppe, dem Markt, dem Wettbewerb und der Markteinführungsstrategie. Aus Sicht eines Unternehmers sind es keine trockenen Wirtschaftsfragen, sondern Faktoren, die über Erfolg und Misserfolg der eigenen Firma entscheiden können. Die Teilnehmer erleben dadurch Wirtschaft als spannend und lebendig. Aber sie schulen auch Schlüsselkompetenzen wie Teamfähigkeit, Kommunikations-, Präsentations- und Konfliktfähigkeit. Die Geschäftsmodelle werden im Team erarbeitet. Man reibt sich, streitet sich und doch muss man am Ende eine Teamentscheidung vorweisen - so wie im späteren Berufsleben. Wirtschaft als Praxisfach im Unterricht „Für uns ist es wichtig das unternehmerische Denken und Handeln bereits früh zu initiieren und die Begeisterung für Innovationen und Technikthemen zu fördern. Denn für die künftige Wettbewerbsfähigkeit unserer Region wird die Basis bereits in der Schule gelegt", erläutert Oliver Syring, Vorstand der Wolfsburg AG. „Im Dialog mit den Lehrern erleben wir, dass die Schüler im Unterricht nur punktuell auf das Berufsleben vorbereitet werden. Dies möchten wir gemeinsam mit den Schulen verbessern", sagt Syring. promotion school wird häufig als Ergänzung zum Wirtschaftsunterricht genutzt. Ob als Inhalt für das Seminarfach, Ergänzung zum Wirtschaftsunterricht oder Teil der Projektwoche - immer mehr Lehrer sehen im Planspiel die Möglichkeit den Unterricht interessanter und praxisnaher zu gestalten. Nach einer aktuellen Studie des Bundesminis-teriums für Wirtschaft und Technologie zum Thema „Unternehmergeist in die Schulen?!" verzeichnen neun von zehn Lehrkräften bei ihren Schülern durch die Teilnahme an Planspielen eine Verbesserung von deren wirtschaftsbezogenem Fachwissen. Zwei von drei Teilnehmern schreiben der Projektteilnahme eine Verbesserung ihrer Teamfähigkeit zu. „Unternehmer von Morgen" Erste Unternehmensgründungen von „promotion school"-Teilnehmern sind aus dem Wettbewerb bereits hervor gegangen. Mirco Schindler gründete 2007 die Sinosys Ltd. & Co.KG. „Die Idee für mein Unternehmen, das sich unter anderem mit der Entwicklung von Noten- und Zeugnisverwaltungssoftware beschäftigt, hatte ich bereits vor dem Wettbewerb. Durch promotion school habe ich mich ausführlich mit meiner Geschäftsidee auseinander gesetzt und mit dem Wissen um Markt, Wettbewerb und mögliche Risiken angereichert. Dadurch wurde der Grundstein für die Entwicklung meines Unternehmens gelegt," erläutert Schindler. Für den regelmäßigen Kontakt zu ehemaligen Teilnehmern wurde der promotion school Alumni-Club gegründet. Einladungen zu Fachvorträgen und Exkursionen gehören ebenso zu den Angeboten, wie das Vermitteln von Praktikumsplätzen und Ferienjobs. Zum Thema „promotion school": Erfahrungen von Silke Kortemme, Gymnasium am Silberkamp, Peine | Koordinatorin | Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können Frau Kortemme, Schüler Ihrer Schule nehmen bereits zum dritten Mal an promotion school teil. Fördern Sie das Engagement der Teams? Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Projekt „promotion school" kann ich nur allen Kolleginnen und Kollegen empfehlen. Wir bestärken die Schülerinnen und Schüler gezielt hinsichtlich einer Teilnahme an solchen oder ähnlichen Vorhaben. Sie vertiefen wirtschaftliche Kenntnisse, die sie zuvor an unserer Schule in einer Wirtschafts-AG zum Thema „Unternehmen im Wirtschaftskreislauf" erhalten haben. Und das mit Erfolg: Im letzten Jahr belegten wir die Plätze eins, drei und vier. Damit hatten wir nicht gerechnet. Was unterscheidet promotion school von ähnlichen Wettbewerben? Vor allem die Workshops in Wolfsburg haben motivierende Wirkung. Zudem hat die Betreuung durch das Projektteam des Veranstalters die Schüler hervorragend unterstützt. Welche Resonanz fand das Projekt bei den Schülern? Alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler haben mir zurück gemeldet, dass sich durch das Projekt ihre Einstellung zu wirtschaftlichen Themenstellungen noch deutlich verbessert hat, ganz nach dem bekannten Motto: Nichts ist so spannend wie Wirtschaft! ... und ich möchte hinzufügen, insbesondere, wenn Schüler ihre ganz eigenen Erfahrungen machen können. Profitiert auch die Schule von der Beteiligung? Unsere Erfahrung zeigt, dass ein solcher Geschäftsideen-Wettbewerb nicht nur der Kompetenzerweiterung unserer Schüler zugute kommt. Durch seine Integrierbarkeit in den Unterricht ist er auch für uns Lehrer eine willkommene praktische Ergänzung zu Lehrinhalten. Außerdem ist der Wettbewerb sehr „werbewirksam" für das Schulimage. Zum Thema „promotion school": Prof. Dr. Günter Faltin, Leiter des Arbeitsbereichs, Entrepreneurschip der Freien Universität Berlin Herr Prof. Faltin, in Ihrer Publikation „Kopf schlägt Kapital" fordern Sie neue Inhalte und Wege in der deutschen Gründungslandschaft. Wie kann das gehen? Um ein Unternehmen zu gründen, muss man kein betriebswirtschaftliches Genie sein. Kenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge sind zwar für eine solide Unternehmensführung unabdingbar, aber eine noch wichtigere Grundlage für den Unternehmenserfolg ist eine funktionierende Geschäftsidee. Und die fällt nicht vom Himmel, sondern lässt sich mit Kreativität und systematischer Herangehensweise gestalten. Ein Unternehmer, der seinen Kopf dafür freihält, den Horizont im Auge behält, statt in den Alltagsanforderungen unterzugehen, hat schon viel gewonnen. Ist das eine Methode, die besonders gut bei jungen Menschen ankommt? Die Methode ist für jeden geeignet. Zuerst einmal muss man offen für Neues sein. Darüber hinaus muss eine Idee intensiv aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Da sind junge Menschen meist unkonventioneller, Ältere dafür erfahrener. Dennoch muss ich sagen, die Kreativworkshops mit Schülern und Studenten sind auch für mich jedes Mal interessant, weil die Ergebnisse durchaus beeindruckend sind. Wie profitieren beispielsweise die jungen Teilnehmer von promotion school von diesen Methoden? Wird aus jedem ein Unternehmensgründer? Vielleicht motiviert es den einen oder anderen Teilnehmer des Schülerwettbewerbs auch wirklich ein eigenes Unternehmen zu gründen. Aber nicht jeder wird es tun. Das ist auch nicht das Ziel. Trotzdem bereiten die frühzeitige Auseinandersetzung mit unternehmerischem Denken und Handeln sowie die Sensibilisierung für das Thema Unternehmensgründung auf das Berufsleben generell vor. Langfristig kann eine auch praktisch gelebte „Culture of Entrepreneurship" sicherlich zu mehr Gründungen in unserer Gesellschaft führen. Durch die Kooperation mit dem bundesweiten Businessplan-Wettbewerb „Jugend gründet" können Geschäftsideen mit Unterstützung der Wolfsburg AG in Tutorien systematisch weiterentwickelt werden. |
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